Alltag mit zwei Jungs
Nachdem die vielen Arzttermine endlich hinter uns lagen, begann für uns eine ruhigere, aber auch sehr besondere Zeit. Endlich konnten wir durchatmen und uns mehr auf die schönen Momente im Alltag konzentrieren. Wir versuchten, die kleinen Augenblicke bewusst zu genießen – so gut es eben ging.
Besonders schön war es, wenn wir den Großen zu Fuß von der Tagesmutter abholen konnten. An sonnigen Tagen war das fast schon ein Ritual. Der Große liebte es, draußen zu sein, rannte lachend über den Weg, entdeckte kleine Dinge am Straßenrand – und für mich war es ein Moment, in dem ich wieder spürte: Das Leben darf leicht sein.
Planungen für die Taufe
In dieser Zeit begann auch ein großes Herzensprojekt: die Taufe unserer Jungs.
Wir nahmen uns viel Zeit für die Planungen, denn uns war klar, dass dieser Tag mehr sein sollte als nur eine Feier. Es ging um einen besonderen Segen, um Menschen, die an unserer Seite stehen würden – nicht nur für uns, sondern vor allem für unsere Kinder.
Von Anfang an war mir wichtig, die richtigen Paten zu finden. Menschen, die nicht nur symbolisch, sondern auch mit dem Herzen dabei sind.
- Für den Kleinen fragte ich meine ehemalige Betreuerin, die mich drei Jahre in der Wohngruppe begleitet hatte – durch Höhen, Tiefen, Tränen und Lachen. Dass sie nun Patin meines Kindes werden sollte, fühlte sich einfach stimmig und wunderschön an. Sie sagte sofort voller Freude zu.
- Für den Großen fragten wir meine Schwiegermutter. Mit ihrer Wärme, ihrer Ruhe und ihrer liebevollen Art war sie die perfekte Patin für ihn.
Beide Entscheidungen fühlten sich nicht nur richtig, sondern fast schon selbstverständlich an – als hätte es nie anders sein können.
Eine Bindung fürs Leben
Gerade die Verbindung zu meiner ehemaligen Betreuerin zeigte mir, wie das Leben manchmal die schönsten Geschichten schreibt. Aus einer Frau, die mich „nur“ betreut hatte, wurde ein fester Teil meiner Familie.
Wir trafen uns regelmäßig, gingen mit den Jungs in den Maximilianpark, in Indoorspielplätze oder auch mal schwimmen. Sie war einfach da – nicht nur für mich, sondern nun auch für meine Kinder.
Das ist ein Geschenk, das man nicht planen oder kaufen kann. Es wächst aus Nähe, Vertrauen und gemeinsamen Erinnerungen. Für mich war es unbeschreiblich wertvoll, diese Bindung weiterzugeben – von mir an meine Kinder.
Die Taufe – ein unvergesslicher Tag
Und dann war er da: der große Tag der Taufe.
Wochenlange Überlegungen, liebevolle Vorbereitungen und viele kleine Entscheidungen mündeten in diesem besonderen Moment.
Familie, Freunde und Bekannte waren eingeladen – und tatsächlich kamen alle. Selbst die Familie meines Mannes, die weiter weg wohnte, nahm sich frei, um dabei sein zu können. Meine Halbschwester war anwesend, genauso wie meine ehemalige Mitbewohnerin mit ihrem Mann und ihrem Kind.
Nicht eingeladen war allerdings meine leibliche Mutter. Sie wusste nichts von der Taufe – und das war eine ganz bewusste Entscheidung. Ihren Frust darüber, dass meine Kinder Jungs geworden sind, wollte ich an diesem Tag nicht spüren. Immer wieder hatte sie mir Mädchenkleidung gekauft und erwartet, dass ich diese den Jungs anziehe. Doch für mich war klar: Meine Kinder sollten so sein dürfen, wie sie sind – frei von Erwartungen oder Enttäuschungen anderer.
Die Kirche war voller vertrauter Gesichter, voller Lachen, Liebe und einem Gefühl von Zusammenhalt. Die Jungs bekamen viele schöne Geschenke – doch das Wertvollste war für mich, dass sie nun beide eine Patin hatten, die mit Herz und Überzeugung an ihrer Seite stand. Menschen, auf die sie sich verlassen können, auch wenn sie nicht jeden Tag präsent sind.
Dankbarkeit im Herzen
Wenn ich heute zurückblicke, spüre ich vor allem tiefe Dankbarkeit.
Dankbarkeit für die Menschen, die uns begleitet haben, für die neuen Bande, die geknüpft wurden, und für das Gefühl, an diesem Tag genau die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben.
Die Taufe war mehr als nur eine Feier – sie war ein Symbol dafür, dass nach schweren Zeiten wieder Licht ins Leben zurückkehren kann. Für mich bleibt sie einer dieser Tage, die man für immer im Herzen trägt, weil sie voller Liebe, Hoffnung und einem Gefühl von Ankommen waren.

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