Ein neuer Schritt – Beginn der Ausbildung
(Februar 2012)

Am 01. Februar 2012 begann ich schließlich meine Ausbildung. Auch wenn es nicht mein Traumberuf war, war es ein neuer Abschnitt in meinem Leben – und ich war gespannt, wohin dieser Weg mich führen würde.

Ich war nervös, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommen würde. Gleichzeitig war ich stolz, denn immerhin hatte ich einen Weg gefunden, der mir eine Zukunft eröffnen konnte – auch wenn das nicht meine Wunschrichtung war.

Alles war neu – und genau das machte mich neugierig. Am ersten Tag war ich offen für alles und freute mich auf die neuen Erfahrungen. Natürlich war der Alltag ungewohnt und anstrengend, und am Abend war ich völlig erschöpft. Doch trotz der Müdigkeit fühlte es sich gut und richtig an.


Ein schwerer Verlust – der Tod meiner Pflegemutter

Nur 17 Tage nach meinem Ausbildungsstart brach meine Welt zusammen.

Ich war gerade in der Wäschepflege und ging mit einer Freundin in die Pause, als meine Ausbilderin mich abfing. Sie bat mich dringend mitzukommen – mein Herz pochte wie verrückt, denn tief in mir ahnte ich schon, dass etwas nicht stimmte.

Am Morgen hatte es meiner Pflegemutter bereits nicht gut gegangen, doch sie bestand darauf, dass ich trotzdem arbeiten sollte.

Meine Schwester hatte versucht, mich mehrfach zu erreichen und schließlich in der Schule Bescheid gegeben: Unsere Mutter lag im Krankenhaus.

Als mir meine Ausbilderin die Nachricht überbrachte, konnte ich nur noch weinen. Sie fragte mich, ob ich nach Hause gehen wolle – und natürlich tat ich es.

Ich rannte noch einmal zu meinen Freunden in der Pausenhalle, um mich unter Tränen zu verabschieden, und stürmte dann zum Spind, wo ich die vielen verpassten Anrufe meiner Schwester sah. In Panik rief ich zurück, bis schließlich die Betreuerin meiner Schwester ranging. Sie sagte nur:
„Komm bitte sofort ins Krankenhaus, wir warten auf dich.“

Die Fahrt dorthin dauerte eine halbe Stunde – eine halbe Stunde voller Angst, Ungewissheit und tausender Fragen im Kopf.

Als ich ankam, wurde meine Pflegemutter gerade für eine OP vorbereitet. Gemeinsam mit meiner Schwester und den anderen warteten wir zwei lange Stunden vor der Intensivstation. Schließlich schickte man uns nach Hause, weil es dauern würde.

Doch kaum war ich dort angekommen, klingelte mein Handy. Meine Schwester rief an und sagte die Worte, die alles veränderten:
„Mama ist gestorben.“

Mir brach der Boden unter den Füßen weg.

Zurück im Krankenhaus durften wir noch einmal zu ihr. Ich stand an ihrem Bett, weinte und stellte mir unzählige Fragen:

  • Warum bist du nicht zu Hause geblieben?
  • Warum musstest du so früh gehen?
  • Was mache ich jetzt ohne dich?
  • Wie soll mein Leben ohne dich weitergehen?

Es war einer der schwersten Momente meines Lebens.


Zusammenziehen mit meiner Schwester und ihrem Freund

Nach dem Tod unserer Mutter nahm mich meine Schwester sofort bei sich auf.
In den ersten ein bis zwei Wochen lebten wir eng zusammen in ihrer kleinen Wohnung – ein Provisorium, das uns beiden half, den ersten Schock nicht allein durchstehen zu müssen.

Schon bald packten wir jedoch unsere Sachen und zogen in die Wohnung unserer Mutter. Eigentlich hätte es ein Ort sein können, an dem wir gemeinsam neuen Halt finden. Doch die Realität sah anders aus: Das Zusammenleben war schwierig. Der temperamentvolle Charakter ihres Freundes brachte oft Unruhe und Anspannung in unseren Alltag. Statt Geborgenheit spürte ich Unsicherheit und Belastung.

Als er mir schließlich drohte, blieb mir nichts anderes übrig, als meine Sachen zu packen. Ich zog erst einmal zu einer „Freundin“ – doch wirkliche Sicherheit fand ich dort nicht. Es fühlte sich eher wie eine Zwischenstation an, und nicht wie die richtige Lösung.


Ein neuer Weg – die Entscheidung für die Wohngruppe

Als die Betreuerin meiner Schwester von der Situation erfuhr, war für sie klar: Das konnte keine Lösung sein.

Allein wohnen durfte ich mit 17 noch nicht, also schlug sie mir den Weg in eine Wohngruppe vor.

Als ich die Entscheidung hörte, fühlte ich mich verunsichert, ängstlich und hilflos.
Doch tief in mir wusste ich, dass es vielleicht die einzige Chance war, ein Stück Sicherheit zurückzubekommen.

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