Unerwartete Zweifel

Es war im Juli, als ich merkte: Irgendetwas stimmt nicht. Dabei nahm ich meine Pille regelmäßig, jeden einzelnen Tag. Trotzdem fühlte sich mein Körper anders an als sonst. Selbst die Eltern meines Partners bemerkten es und fragten immer wieder: „Na, bist du schwanger?“ Ich lachte es weg. Natürlich nicht – schließlich nahm ich ja die Pille.
Doch das Gefühl ließ mich nicht los. Also vereinbarte ich einen Termin bei meinem Frauenarzt.


Ärzte und Ratlosigkeit

Der Termin war ernüchternd. Nach zwei Stunden Wartezeit hörte sich der Arzt meine Sorgen an – und erklärte mir, mein Körper müsse sich erst auf die Pille einstellen. Eine Pille, die ich seit Jahren nahm. Sprachlos verließ ich die Praxis. Ich fühlte mich nicht ernst genommen.
Auch im Krankenhaus, wohin wir wegen starker Übelkeit und Unterleibsschmerzen fuhren, hieß es nur: „Alles normal, wahrscheinlich Stress.“ Niemand schien mir zu glauben. Doch ich wusste: Das war keine Einbildung.


Der eindeutige Test

Mitte August wurde die Übelkeit immer schlimmer. Irgendwann sagte mein Partner: „Wir kaufen jetzt einen Test.“ Zuhause schickte er mich sofort ins Bad. Schon nach wenigen Sekunden zeigten sich zwei knallrote Striche. Ich brach weinend zusammen. Mein Partner kam zu mir, nahm mich in den Arm, wurde ganz leise und flüsterte: „Wir schaffen das.“


Ungewissheit und erste Stütze

Nachdem ich den Test gemacht hatte und mein Partner mich getröstet hatte, saßen wir lange schweigend nebeneinander. Als wir uns etwas gefangen hatten, sagte er: „Wir sollten mit meinen Eltern sprechen.“ Doch ich traute mich nicht. Ich hatte Angst davor, was sie von mir denken würden, wie sie über mich urteilen könnten. Also ging er allein nach unten, während ich oben blieb – voller Ungewissheit. Jede Minute fühlte sich an wie eine Ewigkeit.

Schließlich kamen sie alle zu mir hoch. Mein Herz raste, ich war so nervös. Doch die Reaktion war ganz anders, als ich befürchtet hatte: Seine Mutter war die Erste, die mir wirklich Halt gab. Sie nahm mir die Scham, setzte sich zu mir und sagte: „Wir schaffen das. Du musst dich nicht rechtfertigen.“ Diese Worte taten unendlich gut. Außerdem schlug sie mir sofort vor, einen Termin bei ihrer Frauenärztin zu vereinbaren – und genau das gab mir zum ersten Mal das Gefühl, nicht völlig allein mit all dem zu sein.

Kurz darauf klingelte es plötzlich an der Tür. Eine Freundin stand überraschend vor uns, und ich spürte sofort Panik in mir aufsteigen, weil der positive Schwangerschaftstest noch offen auf dem Tisch lag. Doch seine Mutter reagierte blitzschnell: Sie griff den Test, versteckte ihn unauffällig und zwinkerte mir zu. Dann flüsterte sie leise: „Gern geschehen.“ In diesem Moment wusste ich, dass sie meine Angst gesehen hatte – und dass sie wirklich an meiner Seite stand.


Gefühle zwischen Schock und Scham

Trotz der Gewissheit fühlte ich mich schrecklich. Wie eine Versagerin. Als hätte ich mein Leben nicht im Griff und würde es nun mit einer Schwangerschaft „vertuschen“.

Trotz all der Unsicherheit, am nächsten Tag rief ich sofort bei der Frauenärztin an, die uns empfohlen worden war. Für mich war klar: Zu meinem alten Arzt gehe ich nicht mehr zurück.

Meiner leiblichen Mutter erzählte ich es erst im dritten Monat. Sie freute sich, Oma zu werden – zumindest machte sie den Eindruck. Meine Schwester erfuhr es nicht, und meine Pflegemama fehlte mir in dieser Zeit unendlich. Ich hätte so gern ihre Meinung gehört.


Ein vertrautes Wiedersehen

Am 4. September 2015 wurde die Schwangerschaft schließlich beim Frauenarzt bestätigt. Ich war schockiert, traurig, wütend – und gleichzeitig erleichtert. Endlich hatte ich Gewissheit.
In diesem Moment wollte ich unbedingt mit meiner ehemaligen Bezugsbetreuerin sprechen. Über meine alte WG-Mitbewohnerin fand ich heraus, dass sie Nachtdienst hatte. Also fuhren wir direkt in die Wohngruppe.

Als ich ihr von der Schwangerschaft erzählte, nahm sie mich in den Arm, gratulierte mir und freute sich aufrichtig mit mir. Dieses Gespräch war ein Geschenk – zum ersten Mal fühlte ich mich verstanden und nicht mehr ganz so allein.
Zu dieser Zeit hatte ich auch wieder regelmäßigen Kontakt zu meiner ehemaligen WG-Mitbewohnerin, die mir zusätzlich das Gefühl gab, nicht allein durch all das hindurchzugehen.

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