Endlich zuhause

Nach zwei Tagen im Krankenhaus entließ ich mich selbst. Ich konnte es dort einfach nicht länger aushalten – die ständigen Ratschläge der Schwestern, die Enge, das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Die U2 ließ ich deshalb beim Kinderarzt machen.
Zuhause spürte ich Erleichterung, endlich wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein. Doch gleichzeitig war da eine große Unsicherheit: Wie würde ich den Alltag mit meinem Baby schaffen?


Kein fester Rhythmus

Eine richtige Routine gab es nicht. Alle zwei bis drei Stunden bekam mein Sohn seine Flasche, aber planbar war das nie. Wir ließen vieles einfach auf uns zukommen. Wenn das Wetter schön war, gingen wir viel spazieren, ansonsten machten wir es uns zuhause so gemütlich wie möglich.


Was tun, wenn das Baby nur schreit?

Schon bald änderte sich alles. Anfangs war mein Sohn noch entspannt, doch irgendwann war er nur noch am Weinen und Schreien. Diese Zeit hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt – es war, als würde ich in einem endlosen Albtraum feststecken.
Ich tat alles, was ich konnte, doch nichts half. Je mehr er schrie, desto stärker wuchs meine Überforderung. Manchmal wünschte ich mir sogar, ich könnte alles rückgängig machen.


Überforderung als frischgebackene Mama

Von außen kam kaum Verständnis. Statt Trost bekam ich nur Sätze wie: „Er ist ein Baby, er kann nur schreien.“ – „Da mussten wir alle mal durch.“ – „Das sind Koliken, die gehen irgendwann weg.“ Doch je öfter ich so etwas hörte, desto größer wurde meine Abneigung gegen die Rolle als Mutter. Besonders schwer war das Gefühl, dass mein Sohn bei anderen ruhiger wirkte als bei mir.


Keine Unterstützung nach der Geburt

Mein Mann arbeitete damals im Sicherheitsdienst wie ihr ja wisst und war entweder unterwegs oder zu erschöpft, um mich wirklich zu unterstützen. Von meiner Familie kamen eher Durchhalteparolen als echte Hilfe. Und Freunde konnten nicht nachvollziehen, was in mir vorging.
So blieb ich mit meinen Gefühlen allein zurück. Die Dauerbelastung führte zwangsläufig zu Spannungen – sowohl in meiner Beziehung als auch innerhalb der Familie.


Mama sein fällt schwer

Mit der Zeit lernte ich, irgendwie damit umzugehen. Nicht, weil es leicht war, sondern weil es keine Alternative gab. Rituale oder kleine Lichtblicke, die mir den Weg in die Mutterrolle hätten erleichtern können, fehlten. Es blieb ein ständiger Kampf, der bis heute Spuren hinterlassen hat.


Rückblick

Wenn ich heute an diese ersten Monate mit Baby zurückdenke, war das Schwerste – und gleichzeitig das Einzige, was blieb – für mein schreiendes Kind da zu sein, obwohl ich körperlich und seelisch längst am Ende war.

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