Jetzt sollte eine der schwierigsten Zeiten in meinem Leben beginnen
Man wird es in den kommenden Kapiteln merken: Es war nicht mehr möglich, in einer geraden Timeline zu bleiben. Alles überschneidet sich, viele Prozesse liefen gleichzeitig – und ich selbst hatte kaum das Gefühl, noch hinterherzukommen.
Der Anruf, vor dem ich Angst hatte
Einige Tage nachdem mein Mann Silvia ins Krankenhaus begleitet hatte, klingelte plötzlich mein Telefon.
Silvia war dran. Ihre Stimme war angespannt, ungewohnt leise. Sie bat mich sofort, den Raum zu verlassen.
Ich ging in den Flur – und ohne Vorwarnung gab sie einer Krankenschwester ihr Handy.
Dann kamen die Worte, vor denen ich seit Wochen Angst gehabt hatte:
„Wir haben bei Ihrer Mutter leider Lungenkrebs diagnostiziert. Es tut uns leid.“
In diesem Moment war ich wie betäubt.
Ich wusste nicht mehr, wo vorne und hinten ist. Ich wusste nur: Das darf nicht wahr sein.
Ich hatte bei meiner Pflegemutter gesehen, wie schlimm eine solche Krankheit werden kann – und ich wusste nicht, ob ich das noch einmal aushalten würde.
„Mama hat Krebs“ – und alles bricht zusammen
Wir beendeten das Gespräch.
Ich ging zurück in die Küche, wollte irgendetwas tun, aufräumen, mich ablenken. Denken war nicht möglich.
Da kam mein Mann zu mir. Er sah sofort, dass etwas nicht stimmt.
„Was ist los?“, fragte er.
Und dann brach alles aus mir heraus:
„Mama hat Krebs.“
Mehr schaffte ich nicht zu sagen, bevor ich in Tränen ausbrach.
Mein Mann reagierte sofort.
Er fragte, ob ich zu ihr möchte. Natürlich wollte ich.
Er organisierte die Betreuung für die Kinder und wir fuhren noch am selben Abend ins Krankenhaus.
Die Diagnose – und der Versuch stark zu sein
Als wir ankamen, war die Ärztin gerade bei meiner Mutter. Die Stimmung im Zimmer war schwer, fast erdrückend.
Die Ärztin sprach mit uns, weil sie merkte, dass meine Mutter kaum etwas aufnehmen konnte.
Sie erklärte uns alles – den Befund, die Diagnose, und welche nächsten Schritte notwendig sind.
Ich sah meine Mutter an und flüsterte:
„Wir schaffen das.“
Ich wusste selbst nicht wie.
Aber was sagt man in so einem Moment, wenn man selbst innerlich zusammenbricht?
Trotz allem war mir klar: Wir würden einen Weg finden. Irgendwie.
Ein paar ruhige Tage – bevor der Sturm losgeht
Meine Mutter musste noch einige Tage im Krankenhaus bleiben.
Es wurde etwas besser: Wir besuchten sie oft – und sie hatte sogar einige Tage nicht geraucht.
Doch das sollte nicht lange anhalten.
Denn kaum kam der Anruf, dass sie entlassen werden darf, ging alles wieder drunter und drüber.
Sie rief mich an und meckerte sofort los, sie würde „keine Sekunde länger“ dort bleiben, ich solle sie sofort abholen.
Wir ignorierten ihr Genörgel – aber natürlich fuhren wir los und holten sie ab.
Dass die nächsten Wochen für uns eine enorme Herausforderung werden sollten, wussten wir da noch nicht.
Zurück Zuhause – und plötzlich Verantwortung, für die ich nicht bereit war
Kaum waren wir zu Hause, drückte sie mir einen riesigen Stapel Unterlagen in die Hand.
Diagnosen. Befunde. Arztbriefe.
Für mich hieß das: Termine. Organisation. Verantwortung.
Und das alles in einer Zeit, in der ich selbst Ruhe gebraucht hätte.
Die ersten Punkte auf der Liste:
- Onkologe
- Lungenpunktion
- Weitere Untersuchungen und Termine, an die ich mich heute nicht einmal mehr erinnern kann
Und wer sollte die Termine vereinbaren?
Richtig. Ich.
Ein kleiner Vorteil:
Ich konnte die Termine zumindest so legen, dass sie in meinen Alltag passten – nicht nach ihrer Laune.

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