Die letzten Monate
Die Wochen vor der Prüfung verliefen erstaunlich geordnet. Fast täglich wiederholten wir die Aufgaben, die später auch geprüft werden sollten. Das gab mir Struktur und das Gefühl, nicht völlig ins Ungewisse zu laufen. Fehler gehörten dazu, aber sie waren kein Drama – eher kleine Wegweiser, wie ich es beim nächsten Mal besser machen konnte. Stück für Stück legte sich dadurch die größte Nervosität, und ich ging mit einer gewissen Gelassenheit in die Vorbereitungszeit.
Vorbereitung und Sicherheit
Trotzdem hatte jeder Bereich sein eigenes Gewicht. In der Lehrküche spürte ich am meisten Selbstvertrauen – dort konnte ich zeigen, was in mir steckt. Ganz anders war es in der Wäschepflege oder Hauspflege, wo ich mich manchmal unsicher fühlte, ob alles wirklich korrekt war. Doch genau diese Mischung machte die Übungstage wertvoll: Stärken festigen, Schwächen erkennen und ausbessern. Mit jedem Durchlauf merkte ich, wie sehr mir die Routine half, den Überblick zu behalten.
Der Prüfungstag
Als der große Tag gekommen war, meldete sich die Nervosität sofort. Schon beim Aufstehen hatte ich dieses Kribbeln im Bauch – ein Zeichen, dass es jetzt ernst wurde. Die Prüfung war klar gegliedert: Bereich für Bereich musste bewältigt werden.
Jedes Mal, wenn ich etwas abgeschlossen hatte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Doch kaum war die Erleichterung da, schlich sich sofort das Grübeln ein: War das gut genug? Habe ich etwas übersehen? So schwankte ich den ganzen Tag zwischen Aufatmen und Zweifeln. Es war, als ob mein Kopf nicht zur Ruhe kommen wollte, bis alles vorbei war.
Die Auswertung
Für die Auswertung mussten wir ins Schulgebäude. Dort saßen wir nebeneinander auf einem schmalen Bett, das direkt über der Heizung stand. Die Stimmung war angespannt, keiner wusste so recht, was ihn gleich erwartete. Einer nach dem anderen wurde aufgerufen und ging ins Klassenzimmer. Wir waren zu fünft.
Nach der dritten Person war ich immer noch nicht dran – und sofort schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Das war’s. Ich bin durchgefallen.
Als schließlich doch mein Name fiel, wurde mir schlagartig schlecht. Mir war kalt, ich zitterte, und die Unsicherheit nahm komplett überhand. Meine Lehrerin, die im Prüfungsausschuss saß, bemerkte es sofort und fragte mich, wie ich selbst meine Leistung einschätzen würde. Aus lauter Zweifel machte ich mich kleiner, als ich war, und antwortete: „Ich hätte es weitaus besser machen können.“
Sie lächelte nur und meinte: „Warum so skeptisch? Das brauchen Sie gar nicht.“
Dann die erlösenden Worte: Ich hatte bestanden – und das sogar als Zweitbeste. In diesem Moment fiel mir eine Last von den Schultern, die ich kaum in Worte fassen konnte.
Draußen wartete schon meine Betreuerin. Als ich ihr das Ergebnis erzählte, strahlte sie vor Stolz. Gemeinsam gingen wir zurück in den Ausbildungsbetrieb, wo noch eine kleine Abschlussfeier auf uns wartete.
Am nächsten Tag mussten wir nur noch unsere persönlichen Sachen abholen und die Schlüssel abgeben. Damit war dieses Kapitel endgültig abgeschlossen. Mein Ziel war erreicht – und der Blick richtete sich auf das nächste: den Auszug.

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