Erste Freundschaften an der Förderschule
Die ersten Freundschaften an der Förderschule fühlten sich unglaublich schön an. Endlich hatte ich Menschen an meiner Seite, die wegen ähnlicher Schwierigkeiten dort waren wie ich. Es war ein Gefühl von Verständnis, das ich lange vermisst hatte – und mit der Zeit wurden es immer mehr Freunde.
Zwei besondere Freundschaften
Zwei Personen stachen dabei besonders heraus.
Die eine war sehr offen, flippig und perfektionistisch. Anfangs verband uns viel, doch irgendwann wurde die Freundschaft anstrengend. Ich versuchte in eine Rolle zu schlüpfen, die gar nicht zu mir passte, und merkte mit der Zeit, dass das nicht gesund für mich war. Am Ende zerbrach diese Verbindung – vielleicht war es besser so.
Die andere Freundin war das komplette Gegenteil: ruhig, zurückhaltend, fast wie eine kleine Schwester für mich. Mit ihr konnte ich immer so sein, wie ich wirklich war. Diese Freundschaft war etwas Besonderes, und sie besteht bis heute – ein Schatz, den ich nicht verlieren möchte.
Der Spagat zwischen zwei Welten
Zwischen diesen beiden Freundschaften fühlte ich mich oft hin- und hergerissen. Bei der einen Freundin musste ich mich verstellen und jemand sein, der ich gar nicht war. Bei der anderen durfte ich ganz ich selbst sein. Dieser Spagat war kräftezehrend und nahm mir viel Energie.
Verantwortung übernehmen
Trotzdem war die Zeit geprägt von etwas, das mir Kraft gab: Verantwortung. Unerwartet wurde ich zur Klassensprecherin gewählt. Als mein Name aufgerufen wurde, war ich völlig überrascht – ich hätte nie gedacht, dass die anderen mir dieses Vertrauen schenken würden. Immerhin hielt ich mich selbst für zu ruhig, nicht auffällig genug, um so eine Rolle einzunehmen.
Doch genau das machte mich stolz: Vielleicht hatte ich doch etwas richtig gemacht.
Klassensprecherin sein
Als Klassensprecherin war es meine Aufgabe, für meine Mitschüler da zu sein. Wenn jemand etwas auf dem Herzen hatte, sich aber nicht traute, es offen anzusprechen, übernahm ich das. Manche waren dankbar und erleichtert, andere versuchten es auszunutzen. Für mich selbst war das kein Problem – ich fühlte mich in meiner Klasse wohl und sicher genug, diese Rolle auszufüllen.
Rückblick mit gemischten Gefühlen
Heute schaue ich mit gemischten Gefühlen darauf zurück. In der Schule war ich stark und hatte eine Stimme, die auch gehört wurde. Nach der Schulzeit aber wurde dieses Vertrauen in mich von außen Stück für Stück zerstört.
Und trotzdem bleibt die Erinnerung:
Ich hatte eine Zeit, in der ich Verantwortung tragen konnte – und das hat mir gezeigt, dass mehr in mir steckt, als ich oft selbst glaubte.

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