Die Sorge vor dem Weihnachtskind
Als sich die Schwangerschaft langsam dem Ende neigte, waren die Tage vor der Geburt geprägt von einer einzigen großen Sorge: Bitte nicht an Weihnachten!
Schließlich war der errechnete Termin von der Frauenärztin ausgerechnet der 24.12.2018.
Ich wollte nicht über die Feiertage im Krankenhaus liegen, während zu Hause mein älterer Sohn auf mich wartete. Außerdem gefiel mir der Gedanke gar nicht, dass mein Kind Geburtstag und Weihnachten an einem Tag haben sollte. Jeder sollte seinen eigenen besonderen Tag haben – und nicht beides in einem.
Mein Mann machte es auch nicht besser. Er erzählte, dass er in der Schulzeit einen Klassenkameraden hatte, der ebenfalls am 24.12. geboren wurde – und so wirklich glücklich war der damit wohl nicht. Unbewusst verstärkte das meine Sorge sogar noch.
Hundesitten statt Umzugskisten
Doch es sollte ganz anders kommen. Meine Schwiegereltern hatten ihren Umzug für den 01.12.2018 geplant. Da ich ohnehin nicht mit anpacken durfte (wie gerne hätte ich geholfen! 😅), bot ich an, auf ihren Hund aufzupassen. So konnte ich mich wenigstens ein wenig nützlich machen und die Hündin war nicht allein.
Am Morgen ging ich noch schnell zur Toilette – ein kleines Detail übersah ich dabei völlig. Zunächst verbrachte ich den Tag mit dem Hund, ging ausgiebig Gassi und schaute mittags auch beim Umzug vorbei. Alles ganz normal – bis zum Abend.
Plötzlich Wehen – und die Erkenntnis
Da wurde es komisch. Ein vertrautes, seltsam bekanntes Gefühl kam auf: Wehen.
Ich konnte mich gut erinnern, schließlich hatte die Geburt meines ersten Sohnes lange gedauert.
Da ich das Gefühl hatte, dass der Kleine stark auf meiner Blase lag und ich gefühlt den halben Tag auf der Toilette verbrachte, fragte ich in einer Facebook-Gruppe nach Erfahrungen anderer Mütter. Mehrere erzählten mir, dass es bei ihnen ähnlich war – und dass sie in diesem Moment einen Blasenriss hatten. Das machte mich stutzig. Das hätte ich doch bemerkt, oder?
Noch waren es fast drei Wochen bis zum Termin, deshalb redete ich mir weiterhin ein: „Ach, der liegt nur ungünstig.“
Duschen statt Panik
Gegen 18 Uhr kam mein Mann vom Umzug zurück – dieser war inzwischen geschafft. Ich erzählte ihm von meinem Verdacht, und sofort wollte er ins Krankenhaus fahren.
Doch ich? Ich dachte mir nur: nö. Was macht man in so einer Situation? Richtig – erstmal duschen! Schön warm, versteht sich. 😅
Außerdem erwarteten wir noch Besuch. Ich redete mir also ein, dass es bestimmt falscher Alarm sei. Doch die Wehen ließen nicht nach. Schließlich packte mein Mann meine Tasche – und wir machten uns auf den Weg ins Krankenhaus.
Erste Untersuchungen im Kreißsaal
Dort angekommen, kamen wir schnell in den Kreißsaal. Ich erzählte, dass ich in der 36+5. Woche sei und seit dem Morgen ständig zur Toilette müsse. Die Hebamme lachte, als ich meinte: „Ich fühle mich wie eine inkontinente Oma.“
Doch die Untersuchung war eindeutig: Es war Fruchtwasser. Die Tipps aus der Gruppe hatten also recht gehabt.
Es ging ans CTG. Die Wehen waren zwar da, aber noch so schwach, dass man sie für Senkwehen hielt. Mein Mann nutzte die Zeit, um mit der Hebamme die Unterlagen auszufüllen, während ich erstmal aufs Zimmer durfte.
Alte Ängste – neue Stärke
Die Wehen wurden stärker, also ging es zurück in den Kreißsaal. Dort holte mich die Erinnerung an meine erste Geburt ein. Damals wurden meine Rückenwehen nicht erkannt, und ich fühlte mich nicht ernst genommen. Mit dieser Angst im Gepäck kamen mir die Tränen.
Zum Glück sprach mein Mann für mich. Und diesmal hatte ich Glück: Die Hebamme war freundlich, einfühlsam und beruhigte mich sofort. Sie nahm meine Angst ernst, erklärte, dass sie Rückenwehen gut kenne, und gab mir ein Schmerzmittel.
Zwischen Humor und Ernst
Das Schmerzmittel wirkte – mein Bett drehte sich zwar ein wenig, aber die Schmerzen wurden erträglicher. Mein Mann saß entspannt daneben und kommentierte das CTG – sehr zu meinem Ärger: „Schon lange keine Wehe mehr.“ Kaum ausgesprochen, kam die nächste. Dafür hätte ich ihn am liebsten auf den Mond geschossen. 😅
Währenddessen klingelte es nebenan. Eine andere Frau war gerade mitten in der Geburt. Eigentlich wollte meine Hebamme zu ihr rüber, um das Team dort zu unterstützen – doch genau in diesem Moment änderte sich alles:
Als sie sich gerade umdrehen wollte, um den Raum zu verlassen, rief ich: „Moment, irgendwas stimmt nicht.“ Sie kam zurück und untersuchte mich noch einmal. Plötzlich zeigte die Untersuchung 10 cm Muttermund. Von „alles ruhig“ konnte keine Rede mehr sein.
Ein Wettlauf mit der Uhr
Ab da ging es rasend schnell. Mein Mann und ich witzelten noch, ob unser Sohn am 01.12. oder erst nach Mitternacht am 02.12. zur Welt kommen würde.
Er meinte: „In 10 Minuten schaffen wir das nie.“
Ich dagegen war mir sicher: Heute noch.
Und ich sollte recht behalten. Um 23:58 Uhr, am 01.12., war unser Sohn da. Nach gerade einmal 48 Minuten hatte er das Licht der Welt erblickt.
Ehrliche erste Gefühle
Und dann lag er vor mir. So sehr ich ihn liebte und überglücklich war – mein erster Gedanke war trotzdem ehrlich: „Mein Gott, der sieht ja hässlich aus.“
Voller Käseschmiere, etwas zu früh, noch nicht ganz fertig entwickelt. Er hätte die drei Wochen im Bauch bestimmt noch gebraucht. Und doch: In meinem Herzen war alles klar – ich war überglücklich, dieses kleine verschrumpelte Wesen endlich im Arm halten zu dürfen.
Die ersten Stunden
Nach der U1 bekam ich ihn zurück und wir kuschelten ausgiebig. Mein Mann war dabei ganz der Ruhige – mit trockenem Humor und wachsamen Augen. Umkippen? Keine Chance. Er wollte alles genau beobachten.
Um zwei Uhr nachts kam ich aufs Zimmer. Schlafen konnte ich nicht – zu viel Adrenalin, zu viele Gefühle. Meine freundliche Bettnachbarin war wach, und so redeten wir die ganze Nacht.
Fünf Tage Krankenhaus
Die ersten Tage waren nicht leicht. Sein Blutzucker stabilisierte sich nicht, er hustete, und er war noch zu schwach, um an der Brust zu trinken. Am Ende musste ich abstillen, doch die Flasche wollte er auch nicht. So gaben wir ihm Milch mit einem Schnabelbecher.
Dazu entschieden wir, die U2 gleich im Krankenhaus machen zu lassen. Eigentlich hätten wir nach drei Tagen nach Hause dürfen, doch dann kam die Diagnose Neugeborenengelbsucht. Auch das wurde dort sofort behandelt.
Nach insgesamt fünf Tagen durften wir endlich nach Hause.
Dankbarkeit für einen besonderen Start
Am Ende blieb vor allem Dankbarkeit: Für die liebevolle Betreuung, für meinen gesunden Sohn – und für diesen besonderen, wenn auch etwas stürmischen Start ins Leben.
Dass uns die nächsten Jahre noch fordern würden, war mir klar – aber in diesem Moment zählte nur eins: Ich wollte den Augenblick genießen.

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