Der erste Schritt ins Unbekannte
Nach dem Auszug aus der Wohngruppe erfuhr ich über einen Bekannten von einer ausgeschriebenen Stelle als Ordnerin bei einem regionalen Fußballverein.
Lange habe ich überlegt, ob das überhaupt etwas für mich sein könnte – immerhin war ich eher zurückhaltend und schüchtern. Doch irgendwann siegte die Neugier, und ich wagte den Schritt.
Zu meiner eigenen Überraschung machte mir die Arbeit unglaublich viel Spaß. In diesen Momenten hatte ich das Gefühl, die Kontrolle in der Hand zu haben. Das zurückhaltende Mädchen, das ich sonst war, spielte während der Einsätze keine Rolle. Für ein paar Stunden durfte ich einfach jemand anderes sein – stark, selbstbewusst, mitten im Geschehen.
Ein neuer Traum entsteht
Nach einigen Spielen wuchs in mir der Wunsch, in diesem Bereich mehr zu machen. Bei meiner Recherche stieß ich auf die Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Der Gedanke faszinierte mich – eine Perspektive, die ich mir vorher nie zugetraut hätte.
Also sprach ich mit meiner damaligen Betreuerin darüber. Leider war sie häufig krank, weshalb viele unserer Termine ausfielen. Trotzdem begannen wir Bewerbungen zu schreiben. Jeder Termin war ein kleines Update-Ritual: Hatten wir schon eine Antwort? Ging es irgendwo weiter?
Und dann kam tatsächlich der Tag: Ich bekam meine erste Rückmeldung und wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Mein Herz machte einen Sprung, und sofort rief ich meine Schwester an, um ihr die Neuigkeit zu erzählen.
Eine unerwartete Wendung
Die Überraschung kam direkt am Telefon: Ihr Freund – ja, genau der, dem ich einige Monate zuvor ein Geschenk an den Kopf geworfen hatte – arbeitete in genau dieser Firma. Meine Schwester bot sofort an, ihn zu fragen, ob er mich zum Gespräch mitnehmen könnte und vielleicht sogar ein gutes Wort für mich einlegt.
Mir war die Situation unglaublich unangenehm, allein wegen unserer „ungewöhnlichen“ ersten Begegnung. Aber ich überwund mich und stimmte schließlich zu.
Die Fahrt ins Ungewisse
Einige Tage später klingelte er tatsächlich an meiner Tür, um mich abzuholen. Der Moment fühlte sich surreal an. Ich war nervös und fragte mich die ganze Zeit, was er wohl über mich dachte.
Doch während der Fahrt verflogen die Sorgen erstaunlich schnell. Stattdessen entwickelten wir ein intensives Gespräch. Zuerst stellte ich ihm tausend Fragen über seinen Job, die Aufgaben und den Alltag. Danach wurde es persönlicher, wir sprachen über meine Schwester und vieles mehr. Obwohl die Fahrt nur eine halbe Stunde dauerte, fühlte es sich an wie eine halbe Ewigkeit – im positiven Sinn.
Das Vorstellungsgespräch
Am Büro angekommen, überrollten mich die Selbstzweifel: Warum sollten sie ausgerechnet mich nehmen? Bei so vielen Bewerbern?
Doch er sprach mir Mut zu und ging mit mir hinein. Für einen kurzen Moment vergaß ich meine Angst und betrat das Gebäude voller Hoffnung.
Das Gespräch selbst lief ganz normal ab – und doch hatte es eine unglaubliche Wendung: Ich bekam tatsächlich die Zusage für ein Praktikum. Ich war überglücklich, freute mich wie ein kleiner Schneekönig. Gleichzeitig schlichen sich auch Sorgen ein: Werde ich das schaffen? Was erwartet mich dort?
Ein Ausblick, der alles verändert
Einige Tage später rief mich meine Schwester an: Ihr Freund hatte seinen Dienstplan – und auch meinen. Die Überraschung: Fast meine gesamte Praktikumszeit sollte ich mit ihm zusammen verbringen.
Von diesem Moment an freute ich mich auf das Praktikum wie nie zuvor. Ich wusste, ich musste diesen Weg nicht alleine gehen. Damals war mir noch nicht bewusst, welche große Rolle er später in meinem Leben spielen sollte. Aber schon zu diesem Zeitpunkt war klar: Dies war mehr als nur ein beruflicher Neustart. Es war der Beginn von etwas Größerem.

Bisher gibt es keine Kommentare